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#nachgefragt: Wie geht digitales Lernen bei Headstart Studios, Beatrice? 

Damit die vielfältigen und sich immer wieder verändernden Aufgaben einer Marketingorganisation erfüllt werden können, braucht es Offenheit, zu lernen und ein neues Miteinander in den Teams. Doch wie können Marketing-MitarbeiterInnen hierfür ausgebildet werden? Wie gelingt eine erfolgreiche und nachhaltige Weiterbildung in Unternehmen und Agenturen? Antworten hierauf gibt Beatrice Kemner, Head of Product Development bei Headstart Studios, in unserer Interviewreihe #nachgefragt. 

Beim Thema Lernnachhaltigkeit ist Beatrice Kemner in ihrem Element, denn dieses Thema bewegt die Expertin für Online Learning seit vielen Jahren. Beatrice ist eine Befürworterin einer nachhaltigen Lernerfahrung, daher sind alle Onlinekurse bei Headstart Studios so konzipiert, dass die Lernenden durch Reflexion und Anwendung von Gelerntem ins Tun kommen, anstatt theoretisches Wissen anzuhäufen, wie es bei vielen Online-Video-Kursen der Fall ist. In unserer Interviewreihe #nachgefragt gibt Beatrice Einblicke in ihren Arbeitsalltag und erklärt, worauf es bei der Gestaltung eines Onlinekurses ankommt und welche klugen Köpfe die Branche derzeit sucht. 

 

Bevor Beatrice Kemner zu Headstart Studios kam, war sie als Associate Director Program and Business Development an der Stanford Graduate School of Business, Executive Education, in Stanford, USA, im Einsatz. Davor war Beatrice für Die Zeit als Leiterin der Zeit Akademie verantwortlich für alle Aktivitäten zum Ausbau des Weiterbildungsgeschäfts der Wochenzeitung. Bei Headstart Studios verantwortet Beatrice als Head of Product Development die Produktentwicklung der Onlinekurse. 

HS: Das digitale Lernen ist den Kinderschuhen entwachsen und hat sich durch die Corona-Pandemie in Unternehmen als wertvolle Ressource für neues Wissen etabliert. Was waren die wichtigsten Learnings von Unternehmen in Bezug auf berufliche Bildung in den letzten eineinhalb Jahren? 

BK: Digitales Lernen wurde ja auch schon vor der Pandemie vielfach in Unternehmen eingesetzt. Oft war der Anlass aber von knappen Ressourcen oder anderen Einschränkungen getrieben (z.B. “meine Mitarbeiter haben keine Zeit für Präsenztrainings”, “ich möchte international schulen – das geht nicht in Präsenz” oder “die Budgets sind nicht da”). Neu ist nun die Erkenntnis in der Breite, dass digitales Lernen nicht nur ein “Notnagel” ist, sondern dass die Vorteile eines klug konzipierten Onlinekurses stärker wiegen können, als die eines analogen Trainings. 

Da vor der Corona-Pandemie Unternehmen digitales Lernen eher punktuell statt als Teil einer digitalen Strategie eingesetzt haben, waren oft nicht genügend holistische Erfahrungen und Know-how mit Online-Lernprogrammen vorhanden. Mit der Corona-Pandemie hat sich dies jedoch geändert, da fast alle Weiterbildungsangebote online durchgeführt werden mussten.  

Jedoch gab es auch hierbei gute wie schlechte Ausführungen und die Branche hat sich bisweilen keinen Gefallen getan, wenn lediglich der Inhalt der Präsenztrainings 1:1 ins digitale übersetzt wurde. Dabei sind eine kluge Didaktik und der Einsatz von Social Learning so wichtig für den Erfolg von digitalen Lernprogrammen! Ein guter Kurs muss zur aktiven und involvierenden Aufnahme und Verarbeitung von Informationen einladen. Denn: Reine Online-Vorträge oder Videos ohne Rückkanal führen zu einer Lean-Back-Haltung. Berieselt zu werden erzeugt kein Wissen und schon gar keinen späteren Praxis-Transfer. Lernen soll Spaß machen und eine Weiterbildung muss für lebenslanges Lernen begeistern. Daher: Isoliertes E-Learning baut kein Wissen auf. Die Teilnahme an Vorlesungen verankert kein Wissen. Wissen erstellen nur die Lerner selbst, durch Reflektion und Anwendung von Gelerntem. Und das am besten in einer Gruppe! 

Warum ist es heute so wichtig, dass sich MitarbeiterInnen eine agile Denk- und Arbeitsweise aneignen? Welche Vorteile haben sie davon? 

Der digitale Wandel ist kein Prozess mit definiertem Ende. Veränderung ist vielmehr die neue Konstante. Unternehmen und auch Jobprofile müssen sich daher kontinuierlich anpassen und weiterentwickeln. Um diesen Herausforderungen immer wieder gerecht zu werden, sollten Führung, Teams und einzelne MitarbeiterInnen sich innovative und agile Denk- und Arbeitsweisen, digitales Wissen und neue Tools aneignen. Zentral ist dabei die Fähigkeit und Bereitschaft, immer wieder neu zu lernen. Ohne diese Neuorientierung würden ökonomisch und gesellschaftlich für die Digitalisierung erforderliche Veränderungen gar nicht erst angestoßen werden. 

Kollaboration ist ein weiteres Schlagwort, bei dem Unternehmen derzeit aufhorchen. Wie gelingt Kollaboration und wie kann man kollaboratives Arbeiten lernen? 

Das kollaborative Arbeiten ist die Grundlage für abteilungsübergreifende Arbeit. Die gemeinsame Bearbeitung von Projekten fördert verschiedene Perspektiven, neue Herangehensweisen und ein gegenseitiges “Challengen” – und damit letztlich die Qualität des Ergebnisses. Das gilt für Innovationsprozesse genauso wie für Routineabläufe, die durch interdisziplinäre Teams hinterfragt werden. Daneben unterstützt Kollaboration das Gemeinschaftsgefühl und bricht Silos auf. Durch Kollaboration werden ganze Abteilungen und das Teamgefüge flexibel und oft auch nur temporär „umorganisiert“. Die Vorteile sind bereits nach kurzer Zeit sichtbar: Teams werden durch kollaboratives Arbeiten inspiriert, aufgeschlossener und zuweilen auch mutiger!   

Wenn wir Onlinekurse konzipieren achten wir darauf, dass kollaboratives Arbeiten zum Beispiel durch die Anwendung von Tools wie z.B. Slack gefördert wird. Daneben verwenden wir je nach Kurs eine Reihe kooperativer bzw. kollaborativer Lernelemente wie Projektarbeiten in Gruppen oder “Lernbuddies”, Zweiterteams in denen sich die Lernenden gegenseitig unterstützen. 

Bei der Konzeption von Learning Journeys und Onlinekursen achtest Du auf den Einsatz von Gamification-Elementen. Was macht Gamification so besonders? 

Die Online-Learning-Industrie nutzt den Trend, indem sie Gamification-Elemente oder -Tools in den spielfremden Kontext einbindet. Gamification soll für das Lernen begeistern und das Engagement der Teilnehmenden zum Erreichen von Lernzielen verbessern. In unseren digitalen Lernprogrammen sind Gamification-Elemente Standard, z.B. interaktive Lernelemente, Lernfortschrittstracking, Badges, oder Quizzes. Ich könnte mir vorstellen, noch viel mehr von diesen “Spielereien” einzusetzen, denn unsere TeilnehmerInnen nutzen sehr gerne die angebotenen Möglichkeiten. Wir als Lerndienstleister können zusätzlich zum motivierenden Faktor anhand der Daten sehen, wo die Lernenden stehen und ob es noch Lücken gibt. 

Wenn Unternehmen und Agenturen überlegen, ihren Mitarbeitenden Weiterbildungsprogramme anzubieten, auf was sollten sie achten? 

Es sollte sichergestellt werden, dass der Nutzen für den einzelnen Lernenden und seinen Job sowie auch für das Unternehmen als Ganzes klar kommuniziert werden. Wahrgenommene Relevanz ist essenziell dafür, dass Lernende motiviert sind und auch ein Praxistransfer stattfindet. 

Wichtig ist zudem, dass sich das Unternehmen oder die Agentur dazu Gedanken macht, ob ein Training für ganze Teams eventuell sinnvoller ist als die punktuelle Schulung einzelner Mitarbeiter. Der ganzheitliche Trainings-Ansatz schafft ein gemeinsames Fundament an Tools, Methoden und auch Vokabular und nicht zuletzt eine gemeinsame Blickrichtung. Echter Praxistransfer und Veränderung im Unternehmen sind dadurch viel wahrscheinlicher, als wenn eine einzelne Mitarbeiterin inspiriert von einem Training in ihren Arbeitsalltag zurückkommt und auf Gegenwehr stößt.  

Das Training sollte nicht zuletzt verschiedene Fachbereiche im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung der Customer Journey stärker verknüpfen. Social Learning kommt hier eine wichtige Bedeutung zu, da Social Learning das Gemeinschaftsgefühl durch gemeinsames Bearbeiten von Aufgaben und Projekten unterstützt.  

Um Digital Learning noch nachhaltiger und erfolgreicher zu machen, sind kluge Köpfe für Digital Learning-Projekte gefragt. Welche Qualifikationen sind hierfür mitzubringen, um beispielsweise bei Dir zu punkten? 

Wir sind ein Team von Lernexperten – didaktische Kenntnisse, ein sicherer Umgang mit Sprache sowie ein gutes Gespür für die User Experience gehören bei uns zum Handwerkszeug. Neugierde und Begeisterung für digitales Lernen runden das Bild ab. Aber auch Quereinsteiger haben die Möglichkeit bei mir im Team zu wirken. Wir suchen derzeit E-Learning Designer und Learning Experience ManagerInnen zur Gestaltung der Lernerfahrung sowie Solution ManagerInnen für die Produktentwicklung. Bei Headstart Studios achten wir auf die richtige Balance zwischen Gemeinsamkeiten und Diversität. Das Mindset muss ins Team und zu unseren Werten passen. Darüber hinaus freuen wir uns aber, wenn neue Mitarbeitende das Team bereichern und etwas ganz Einzigartiges mitbringen.  

Vielen Dank für das Gespräch, Beatrice!

Wer sich mit Beatrice Kemner austauschen möchte, findet sie auf LinkedIn. Weitere Informationen zu aktuellen Job-Angeboten sind auf unserer Job-Seite zu finden.

 

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