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Lernen auf Distanz: Wie Weiterbildung trotz Abstand gelingen kann

Die Corona-Pandemie verändert unser Arbeitsleben - nachhaltig. Wir arbeiten, sofern möglich, remote aus dem Home-Office, Geschäftsreisen sind auf ein Minimum beschränkt und wenn wir Kollegen treffen, dann nur unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen und des notwendigen Mindestabstands. Doch nicht nur Arbeit auf Distanz erfordert ein neues Mindset und neue Prozesse.

Lockdown: Umdenken auch in der Weiterbildung

Der Lockdown hat auch zum Umdenken in Bezug auf Schulungen und Weiterbildungen geführt. Zum einen konnten und können ganz praktisch gedacht Präsenztrainings nicht mehr wie üblich durchgeführt werden und erfordern Flexibilität und neue Ansätze. Zum anderen bietet der Lockdown auch die Chance, Zeit sinnvoll zu nutzen, um durch gezielte Weiterbildungsangebote das eigene Business zukunftsfähig und weniger krisenanfällig zu machen sowie die eigene Stellung im Wettbewerb zu stärken. So können durch Lernen auf Distanz Wissenslücken gefüllt und Kompetenzen ausgebaut werden. 

Aber viele Mitarbeiter fühlen sich nach Wochen im Home-Office mit dem Lernen auf Distanz überfordert und allein gelassen. Sie werden nicht ausreichend motiviert und es wird wenig Lerntransfer in den Joballtag erreicht. Es zeigt sich, dass es mit der reinen Beschallung durch Lehrvideos oder dem Vorführen von PowerPoint-Präsentationen in virtuellen Meetings meist nicht getan ist. Zoom-Fatigue macht die Runde, denn die  Ermüdungserscheinungen nach stundenlangen Meetings mit Kollegen und Kolleginnen sind real. Auch Familien, in denen Kinder neben der Arbeitszeit beschult oder bespielt werden müssen, sind überlastet und übermüdet. Wie soll man sich da noch zusätzlich weiterbilden?

Weiterbildung soll Spaß machen, auch in Krisenzeiten

Besonders Krisenzeiten erfordern von L&D-Verantwortlichen und Führungskräften eine klare Herangehensweise, um Weiterbildung und Lernen auf Distanz erfolgreich  zu gestalten. Diese Punkte gilt es zu beachten:

  • Festlegung eines Zeitbudgets

Wir empfehlen, der Weiterbildung ein festes Zeitbudget in der Woche pro Mitarbeiter zu reservieren, damit auch der Stellenwert des Lernens anerkannt und das Zeit-Investment jedes einzelnen wertgeschätzt wird.

  •  Lernen im strukturierten Rahmen

Das Lernprogramm sollte dem Lerner eine flexible Zeiteinteilung ermöglichen, gepaart mit fixen Zeitfenstern für bestimmte Lernaktivitäten wie Live Sessions. Die Faustformel bei uns lautet: 70 Prozent für die freie Zeiteinteilung und 30 Prozent festgelegte, geregelte Zeit. Gleichzeitig sollte das Lernprogramm eine klare Zeitplanung vorgeben mit kommunizierten Daten, bis wann welche Lernaktivitäten abzuschließen sind. Zusammen mit einem Lerner-Support-Team stellt diese Struktur sicher, dass auch wirklich ein Lernfortschritt erfolgt.

  •  Social Learning in Kohorten

Auch das Lernen mit Gruppenmitgliedern innerhalb einer Lern-Kohorte wie sie z.B. in unseren Kursen gebildet werden, hat eine wichtige Funktion: Gruppenmitglieder nehmen sich gegenseitig an die Hand, sie durchlaufen gemeinsam den Prozess, lernen nicht zuletzt in Projektarbeiten mit- und voneinander. Das so gelebte „Social Learning“ setzt auf Kollaboration und Spaß und motiviert, auch an den nächsten Learning Sessions teilzunehmen.

  • Klare Kommunikation der Relevanz 

Essenziell bei Weiterbildungen: Für den Lernenden müssen das Ziel und der Grund, sich ein bestimmtes Thema anzueignen, klar sein! Viele Unternehmen streben an, eine lernende Organisation zu werden, in denen kontinuierliche Weiterbildung mit einem hohen Maß an Eigenengagement und Selbstorganisation der Mitarbeiter selbstverständlich ist. Dafür ist es Voraussetzung für jeden Einzelnen zu verstehen, wie das Lernprogramm auf seinen oder ihren Job einzahlt und auch wie es die Unternehmensstrategie langfristig unterstützt.  

  • Lean Forward!

Lean-Back-Lernen, das auf reines Konsumieren wie dem Anschauen von Lern-Videos ausgelegt ist, muss durch aktives Lean-Forward-Lernen ersetzt werden, das Interaktion, Reflektion und Anwendung des Gelernten anregt. Denn: wenn Lernende allein vor dem Bildschirm gelassen werden, führt dies häufig zu Frust, Langeweile oder vorzeitigem Programmabbruch ohne Lernerfolg.  

Fazit: Struktur & Flexibilität

Um Weiterbildung auch in Krisenzeiten und auf Distanz erfolgreich zu machen, braucht es einen ganzheitlichen und strukturierten Lernansatz, der Relevanz und Motivation in den Vordergrund stellt. Eine Flexibilität für den Lernenden innerhalb eines klaren Zeitrahmens sowie eine sinnvolle Kombination verschiedener Formate sind wichtige Säulen, um Lernen auf Distanz erfolgreich zu machen.

Autor

Beatrice Kemner ist Head of Product Development bei Headstart Studios. Sie begann ihre Karriere beim Hamburger Lerndienstleister 2018 als Senior Corporate Consultant. Davor war sie als Associate Director Program and Business Development Executive Education an der Stanford Graduate School of Business in Stanford, USA, im Einsatz. Für Die Zeit verantworte sie als Head of Zeit Akademie alle Maßnahmen zum Aufbau des Weiterbildungs-Profit-Centers.

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