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Innovation von Innen – Intrapreneurship

Ein Start-Up im Unternehmen. Aber was genau wird von einem Intrapreneur erwartet? Und weshalb fällt es so vielen deutschen Unternehmen schwer eine innovative Unternehmenskultur einzuführen?

Intrapreneur Bedeutung und Herkunft

Der Begriff Intrapreneur kam erstmals Ende der 1970er in den USA auf und setzt sich aus den englischen Wörtern „intra-corporate“ (unternehmensintern) und Entrepreneur (Unternehmer) zusammen.

Gifford Pinchot III und seine Frau Elisabeth S. Pinchot schreiben in ihrem Aufsatz „Intra-Corporate Entrepreneurship“ über Unternehmen im Wachstum: „Sie werden so groß, dass die Manager, die Entscheidungen treffen, häufig von der persönlichen Kenntnis der zu lösenden Probleme isoliert sind“. Das Problem sei, dass die Führungskräfte zu sehr damit beschäftigt seien Abläufe und Ressourcen zu organisieren, so dass es keinen Spielraum mehr für Innovationen gäbe.

Als Lösungsansatz führen sie die Möglichkeiten an kompetente Manager aus erfolgreichen Unternehmen abzuwerben, sich mit anderen Gründern zu vernetzen oder ganze Konzerne aufzukaufen. Doch sie appellieren daran sich zunächst im eigenen Unternehmen umzuschauen und das Potential der eigenen Mitarbeiter auszuschöpfen.

Auch heute leiden unzählige Unternehmen an einem Mangel an Innovationspotential. Viele haben Angst vor der Disruption ihres Geschäftsmodells und nur wenige trauen sich die Kreativität der eigenen Mitarbeiter zu nutzen. Dabei kann genau hierbei ein Unternehmer im Unternehmen Abhilfe schaffen indem er als vorhandene Ressource Innovationen entwickelt, um Wachstum und Profitabilität zu steigern.

Intrapreneurship fördern

Blickt man auf das letzte Jahrhundert zurück erkannt man, dass Unternehmen sich ständig reorganisieren müssen: In den 1970ern mussten die bürokratischen Prozesse saniert werden, in den 1990ern war es im Hinblick auf die Globalisierung Zeit für die Dezentralisierung und heutzutage ist es die Digitalisierung die die Unternehmen vor neue Herausforderungen stellt. Sie müssen ihre bisherigen Geschäftsmodelle überdenken. Die alten Hierarchien verschwinden und der Einzelne ist mehr gefragt denn je.

Viele Startups bieten ihren Teammitgliedern von Anfang an die Chance sich unternehmerisch einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Es gibt keine klassische Karriereleiter mehr, sondern schlichte messbare Erfolge wie die Schaffung neuer Werte, Produkte, Services oder Geschäftsbereiche.

Natürlich fällt es jungen und kleineren Unternehmen leichter von Anfang an eine moderne Kultur zu etablieren, als historisch gewachsenen Großkonzernen. Doch Ausgangsbasis hin oder her: Erfolgreiches Intrapreneurship ist nur möglich wenn Mitarbeitern in wichtigen Schlüsselpositionen Entscheidungsspielräume eingeräumt werden.

„Unternehmen sind gut beraten, ihr wichtigstes Kapital mit einzubeziehen: die eigenen Mitarbeiter.“

Achim Berg, Bitkom-Präsident

Um Intrapreneurship zu fördern sollten die Mitarbeiter in den Mittelpunkt gestellt und nicht mehr als bloßes Humankapital angesehen werden. Nur mit einer entsprechenden Unternehmenskultur kann proaktives Verhalten entstehen. Es sollte kommuniziert, transparent gehandelt, Fehler als Learning betrachtet und Rückzugsorte geschaffen werden.

Allen Personen der Organisation sollte die Möglichkeiten geboten werden sich einbringen zu können und ihre unternehmerische Denkweise unterstützt werden. So kommen versteckte Talente zum Vorschein und das Unternehmen selbst wird zu einem attraktiven Arbeitsplatz für innovativ-denkende Mitarbeiter.

Auch die Abschaffung förmlicher interner Beurteilungssysteme kann zur Förderung der Flexibilität und Eigeninitiative beitragen. So können sich die Teammitglieder auf das große Ganze konzentrieren anstatt bereits bei jedem Teilschritt Rechenschaft ablegen zu müssen. Das bedeutet nicht, dass die Führungsebene keine Kontrolle haben sollte. Freiräume dürfen natürlich nicht missbraucht und Initiativen nicht blind genehmigt werden. Es geht darum eine ausgewogene Balance zu finden.

Zusammenfassend können nur dort Intrapreneure erfolgreich agieren, wo die Unternehmensvision selbst auf den Fortschritt ausgerichtet ist. Jedes Unternehmen bei dem dies nicht der Fall ist, läuft Gefahr an der digitalen Transformation zu scheitern.

Intrapreneur vs. Entrepreneur

Als Intrapreneur agieren Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens. Im Gegensatz zu einem Entrepreneur entwickeln sie neue Unternehmungen innerhalb der bestehenden Strukturen. Durch diese Inside-out- Perspektive haben Mitarbeiter zwar einen besseren Zugang zu Ressourcen, sie müssen sich aber trotzdem mit internen Hindernissen auseinandersetzen. Ein Intrapreneur steht deshalb immer vor der Herausforderung so effizient wie möglich mit denen ihm zur Verfügung gestellten Mitteln zu agieren.

Als Intrapreneurship bezeichnet man die Form der Unternehmenskultur, in der selbstständig denkende Mitarbeiter unterstützt und gefördert werden.

Ein Entrepreneur gründet sein eigenes Unternehmen und übernimmt damit die größte Verantwortung und die höchsten Risiken innerhalb des Unternehmens. Ein Entrepreneur ist nicht einfach nur ein Unternehmer, sondern einer der sich besonders durch seinen risikofreudigen Charakter und die Fähigkeit immer wieder neue Innovationen hervorzubringen auszeichnet.

Jordan Whitfield @unsplash

Sowohl engagierte Intra- als auch Entrepreneure neigen dazu sich zu überarbeiten, der Entrepreneur muss sich allerdings den Rahmen seines Workloads ganz alleine definieren.
Im Gegensatz zum Intrapreneur ist ein Entrepreneur kaum abgesichert und haftet für all seine Taten. Die Verantwortung eines Intrapreneurs ist nach wie vor begrenzt. Auch betrifft das Intrapreneurship häufig nur einen kleinen Teil der Gesamtorgansiation, weshalb Fehlschläge hier weniger ins Gewicht fallen. Im schlimmsten Fall wird das Intrapreneurship oder das Arbeitsverhältnis beendet. Bei einem Entrepreneur wirken sich die Folgen direkt auf das Unternehmen, seine Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner aus. Mehrere Fehlentscheidungen führen meist zu einem Scheitern der gesamten Organisation.

Entrepreneure schaffen neue Unternehmen – Intrapreneure sorgen dafür, dass sie sich weiterentwickeln.

Intrapreneurship: Unternehmertum in der Unternehmung

Unternehmerische Entscheidungen finden im klassischen System nach dem Top-Down-Prinzip auf der höchsten Ebene statt. Dies kann dazu führen, dass Mitarbeiter sich irgendwann in einem Unternehmen wiederfinden, deren Vorstellungen sie nicht teilen.
Gerade in großen Konzernen arbeiten häufig begabte Fachkräfte, die auf Grund der Hierarchie – die Entscheidungen und Denkprozesse nur in eine Richtung zulässt – ihre Ideen nicht umsetzen können. Mitarbeiter die hiervon betroffen sind kämpfen oft mit ihrer Frustration, wenden sich vom Unternehmen ab oder gehen in die Selbstständigkeit.

Gerade in Zeiten in denen die Kreativität des Einzelnen durch den Fortschritt der Technik immer wertvoller wird, sollten Unternehmen das Potential ihres Personals nutzen. Durch die Ausbildung zum Intrapreneur erhält eine Fachkraft die Möglichkeit sich selbst zu verwirklichen, ohne die Risiken der Selbstständigkeit auf sich zu nehmen. Das Unternehmen profitiert von der neuen Innovationsfähigkeit, der stärkeren Mitarbeiterbindung und größeren Wettbewerbskraft.

Intrapreneure agieren meistens am Rande eines Unternehmens. Sie genießen weitaus mehr Freiheiten als konventionelle Mitarbeiter in der klassischen Hierarchie. Sie sind mit keinem bestimmten Prozess oder einer Abteilung verbunden, so erhalten sie wertvolle Einblicke in das Wettbewerbsumfeld und können besser mögliche Chancen und Risiken identifizieren.

Intrapreneurship funktioniert nach dem Bottom-up-Prinzip. Einige wenige können neue Produkte, Services oder Technologien entwickeln, die das Potential haben das gesamte Unternehmen nach vorne zu bringen.

Ein Intrapreneur ist ein kreatives Individuum, dass die Freiheit ausleben kann neue Ideen zu entwickeln.

Im Sinne der Effizienz versuchen Intrapreneure immer das beste Ergebnis aus den bereitgestellten Ressourcen zu erhalten. Aus demselben Grund konzentrieren sie sich auch bei der Produktentwicklung auf das Wesentliche und verkürzen so die Entwicklungszyklen. Beide Eigenschaften kommen der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zugute.

Was macht einen Intrapreneur aus?

Was macht einen Intrapreneur aus?

Natürlich eignet sich nicht jede Fachkraft dazu eine Intrapreneurrolle im Unternehmen einzunehmen. Viele notwendige Fähigkeiten, wie z.B. die eigene Kreativität, lassen sich nicht in Workshops erlernen.

Folgende Eigenschaften sollte deshalb jeder zukünftige Intrapreneur besitzen:

Innovationsorientierung: Intrapreneure setzen ihre Kreativität ein, um neue Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen zu entwickeln.

Eigenintiative: Intrapreneur ergreifen selbst die Initiative und warten nicht auf Aufträge. Hier gilt das Prinzip: „Um Verzeihung zu bitten, ist leichter als um Erlaubnis“. Sie handeln frei und unternehmen alles, um das Projekt voranzubringen.

Risikobereitschaft: Sich immer für die sichere Variante zu entscheiden ist der falsche Weg, um Potentiale wirklich auszuschöpfen und Chancen zu nutzen. Intrapreneure dürfen das Risiko nicht scheuen. Auch im Unternehmen selbst sollte eine Fehlerkultur herrschen, die es ermöglicht an Fehltritten zu wachsen und nicht zu scheitern.

Sozialkompetenz: Vor allem die Teamfähigkeit ist gefragter denn je. Trotz alledem sollte ein Intrapreneur auch Führungskompetenzen und Durchsetzungsvermögen besitzen.

„Komme täglich mit der Bereitschaft zur Arbeit, dich feuern zu lassen.“

Gifford Pinchot

Natürlich gibt es viele weitere nützliche Eigenschaften. Auch unternehmerisches Handeln und Kostenbewusstsein sollten einem Intrapreneur nicht völlig fremd sein.

Einerseits erhält ein Intrapreneur mehr Verantwortung und Selbstständigkeit, andererseits müssen sie auch lernen mit der vermehrten Kritik an der eigenen Leistung umzugehen. Zusätzlich sollte immer darauf geachtet werden, dass sie sich nicht dauerhaft selbst überfordern. Eigenverantwortliches Handeln und die Möglichkeit eigene Ideen einzubringen fördern die Motivation aber häufig auch die Selbstaufopferung.

Best Practices: Intrapreneurship

Quelle: businessinsider

Macintosh

Steve Jobs, 1984

Das wohl bekannteste und grundlegendste Beispiel erfolgreicher Intrapreneure war die Entwicklung der ersten Apple Macintosh Computer. Steve Jobs und ein Team von Programmierern und Ingenieuren spalteten sich vom restlichen Unternehmen ab, um fernab von Regeln und Strukturen ihre Vision umzusetzen.

Google

Bei Google gibt es das „Innovation Time Off“-Programm: Ingenieure des Unternehmens können 20 Prozent ihrer Arbeitszeit (einen Tag die Woche) Projekten widmen, die eigentlich außerhalb ihres Aufgabenbereichs liegen, sie aber besonders interessieren. So entstanden z.B. die Dienste Gmail und Google News.

Deutsche Bahn

Auch die Deutsche Bahn hat 2016 ein eigenes Programm „DB Intrapreneurs“ ins Leben gerufen. Hier haben alle ca. 320.000 Mitarbeiter die Möglichkeit ihre Ideen einzubringen. Zweimal im Jahr startet das Programm, in dem die Deutsche Bahn zukünftige Intrapreneure fördert. Mithilfe von Workshops, Coachings, und beliebten Start-Up-Methoden wie z.B. dem Design Thinking, lernen die Mitarbeiter ein Geschäftsmodell zu entwickeln und Prototypen zu erstellen.

DM

Seit 1977 handelt DM nach dem Motto „Filialen an die Macht“. Alle Filialen des Drogerieunternehmens entscheiden autonom über ihre Wirtschaftlichkeit, Lieferzeiten, die Produktauswahl und Personalfragen. Je nach Standort werden die Kriterien flexibel, dank flacher Hierarchien, angepasst.

„Unsere Mitarbeiter sind kein Aufwand, der das Ergebnis reduziert, sie führen den Ertrag herbei!“

Götz Werner, Gründer der Drogeriekette DM

Noch immer hadern viele Unternehmen damit ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen mehr Entscheidungsgewalt zuzugestehen. Viele Konzerne versuchen stets sich in der vertrauten Branche zu optimieren, anstatt die Schwerpunkte zu verlagern und sich auch in anderen Bereichen weiterzuentwickeln. Auch hier mangelt es vielen an Risikobereitschaft.

Denn natürlich kostet eine Umstellung der Konzernstruktur Zeit und Ressourcen. Nicht zu vergessen die politischen Entscheidungen und potentiellen Konflikte die daraus mit großer Wahrscheinlichkeit entstehen werden. Denn Intrapreneurship bedeutet nicht, dass die Führung einfacher wird. Mündige Mitarbeiter haben höhere Ansprüche an die Leistungen des Managements und die Kommunikationsstrukturen im Unternehmen.

Dabei ist Intrapreneurship ein wichtiger Bestandteil des digitalen Mindsets eines modernen Unternehmens. Wer weiterhin die Nase vorne haben möchte muss für flachere Hierarchien sorgen, für mehr Flexibilität und die Kreativität der eigenen Teammitglieder fördern. Hierbei gilt es als Führungskraft die Unternehmenskultur so zu gestalten, dass Intrapreneure und Mitarbeiter sich eine Zukunft im Konzern vorstellen können. Dazu gehören neben Gehaltsansprüchen auch das entgegen- bringen von Vertrauen und neuen Freiheiten.

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